Chemieunfall in Bhopal

Am nächsten Morgen nahmen wir den Zug pantechindia.com zu rück nach Bhopal, da wir für den Abend ein (leider nochmals unbestätigtes) Schlafwagenticket nach Mumbai hatten.  Ich nutzte die Wartezeit in Bhopal um mir das ehemalige Gelände von Union Carbide anzuschauen – der Ort einer der schlimmsten Chemiekatastrophen der Geschichte. Hintergrund ist, dass ich bei Dow Chemical gearbeitet habe und dort wurde fast jedes Jahr durch Greenpeace eine Mahnwache abgehalten. Das Gelände liegt in mitten der Stadt, nur 3 Kilometer vom Bahnhof entfernt. Die Fahrt entlang der Betonmauer des ehemaligen Geländes zeigte, was die Leute über die Behörden, Union Carbide und Dow Chemical denken. Das Areal schien verlassen, doch als wir das Tor passierten, kam ein Security und wollte meine Erlaubnis für den Zutritt sehen. Hatte ich natürlich keine und ohne Permit kein Zugang, so der Security. Man müsse zuerst bei den Behörden vorbei. Ich sagte zu ihm, dafür hätte ich keine Zeit und wir rauchten erstmal eine Bidi. 5 Minuten später konnte ich die „Gebühr“ gleich bei ihm bezahlen 😉 So bezahlte ich das Bakschisch und machte einen kurzen Rundgang  auf dem Gelände. Wo früher die Fabrik stand, ist heute alles überwuchert und Zigenherden grassen. Nur noch die rostigen Rohrsysteme und die lecken Gasstanks zeugen von der ehemaligen Fabrik.

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Zurück bei den Mädels gingen wir zum Bahnhof um uns wieder um die Bestätigung unserer Zugtickets zu kümmern. Tja, leider verlief es diesmal nicht wie erwartet, erhofft, geplant. Uns wurden keine reservierten Plätze zugeteilt, denn der Zug war wegen Diwali hoffnungslos überbucht. Wer schon mal mit dem Zug in Indien unterwegs war, weiss vielleicht was das heisst 😉 Auch der Versuch ein upgrade auf eine der drei höheren Klassen zu machen, war aussichtslos weil es einfach KEINEN Platz mehr gab. Zudem stand die bis jetzt längste Zugfahrt (14 Stunden) an. Wir bestiegen trotzdem den Zug in der Hoffnung, dass wir beim Zugschaffner vielleicht mehr Glück haben. Doch auch das half nicht, denn wenn es keine Plätze mehr hat, dann hat es keine mehr – so einfach 😉 Wir fanden uns mit der Situation ab und probierten uns zwischen Zugtür, Toilette und Schlafabteil mit unseren Backpackern irgend ein Nachtlager einzurichten. Da aber sooo viele Leue keinen Platz hatten, war das Optimum gerade mal hintereinander aufrecht auf dem Rucksack zu sitzen – die 14 Stunden vor Augen.

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Wenigstens zeigte sich, dass wir ca 10 ausserordentlich nette „Leidensgenossen“ um uns herum hatten. Die angeregten Diskussionen liessen die Zeit vergessen und man teilte, was man halt so an kulinarischem dabei hatte. Nach etwa 7 Stunden wurde dann immerhin ein Stuhl frei, was die Situation den Umständen entsprechend verbesserte. Nochmals 4 Stunden später weckte uns dann ein Inder der mit seiner Familie ausstieg und uns wenigstens ein Bett überlassen wollte. So konnten die Mädels sich eine Liege teilen und zumindest in ungekrümmter Haltund ein paar Stunden schlafen. Doch jede Nacht geht mal zu Ende und jeder von uns hatte schliesslich 3-4 Stunden geschlafen. Trotzdem war es ein Erlebnis, welches wir sicher nie mehr vergessen – und einmal musste es uns ja auch treffen 😉 Wir tauschten noch die eine und andere email Adresse mit unseren Nachbarn aus – denn so eine Nacht schweisst zusammen 🙂 Danke vielmals an Monu aus Bhopal der sich so nett um uns gekümmert hat und für die stundenlangen Gespräche!  Der Zug leerte sich nun zunehmend und die meisten Inder machten grosse Augen als sie uns Foreigner hier im Zwischabteil sahen. So kommt man wenigstens mit sehr vielen Leuten ins Gespräch 😉 Die letzte Stunde Zugfahrt durch Mumbai war dann sehr angenehm und wir erreichten Mumbai CST mit einer Stunde Verspätung.

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Ein Kommentar zu Chemieunfall in Bhopal

  1. Phil sagt:

    Epic storytelling!!! Super!!!

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