Annapurna Circuit Teil 2

Das Wetter am nächsten Morgen war wieder einmal herrlich und wir freuten uns auf die Strecke zum Tilicho High Camp. Kurz nach der Hälfte der Strecke wechselte die Freude jedoch in eine Art von Entsetzten. Hatten wir am Vortag noch gross über die Einfachheit des Annapurna Circuits debattiert, sahen wir uns nun mit einem (für uns) haarstreubenden Trek konfrontiert. Wir hatten auf der Karte gesehen, dass der Weg durch ein Erdrutschgebiet führt, doch was wir vorfanden, überstieg unsere Vorstellung. Der Weg ist schmal und verläuft hunderte Meter in Mitten von instabilen Erdrutschhängen die in die Tiefe abfallen. Man kann sich vielleicht vorstellen wie einem das Adrenalin in den Kopf schiesst, wenn der Boden kurzzeitig nach gibt oder von weit oben Steine den Hang hinunter rollen. Für uns war das eine Art Grenzerfahrung und wir kamen total fertig, jedoch vor dem aufziehenden Schneesturm im High Camp an. Der Abend bescherte noch ein Highlight, da hinter der Lodge eine Herde mit über 120 Yaks und einem nur wenige Stunden alten Jungtier nächtigte. Anita war hin und weg 🙂

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Die Nacht im Tilicho Base Camp war kalt, wegen der Höhe unruhig und es schneite fast die ganze Nacht. Doch als wir uns um 6 Uhr bereit machten, den Aufstieg zum Tilicho See in Angriff zu nehmen, klarte der Himmel auf und es hörte auf zu schneien. Nach einer Stunde Aufstieg jedoch, zogen bereits wieder Wolken auf und der Schneefall setzte ein. Wir liessen uns nicht entmutigen und setzten den Weg zum See auf knapp 5000 Meter fort. Doch als der Nebel immer dichter und der Schnee immer höher wurde, brachen wir dieses Vorhaben eine knappe Stunde vor dem See ab. Denn zum einen wollten wir ja etwas vom See und den Bergen sehen und zum anderen war unsere Ausrüstung schon knapp an der Grenze. Daher kann man sich vorstellen, dass die Kleider unseres Porters schon lange nicht mehr tauglich waren. Auf die Frage ob es mit seinen Turnschuhen nicht zu kalt sei, hiess es natürlich „No Problem Sir“, doch er rutschte im Schnee herum und hatte sicher kalt. Auch wollten wir noch am gleichen Tag wieder über die haarstreubende Erdrutschstrecke zurück, und die braucht auch bei gutem Wetter schon genug Kraft. So kehrten wir um und haben die Entscheidung auch nicht bereut, als wir die Fotos von den Leuten anschauten, die an diesem Tag bis zum See gingen – Sicht Null 😉

Die Erdrutschstrecke verlangte uns nochmal viel ab, weil auch bei diesem Wetter wieder Steine angerollt kamen. Wir waren heilfroh, als wir diese Passage hinter uns hatten und waren uns einig, dass wir diese Strecke das letzte Mal passiert hatten 😉 anido.ch.ebozavr.com Es war uns wohl ein bisschen zu viel Unberechenbarkeit und Adrenalin. So rollende Steine sind nichts witziges, vorallem wenn es auf der anderen Seite 400 Meter hinab geht und die Füsse in weichem Kies stecken. Trotzdem hat sich der Abstecher gelohnt. Man konnte auf dem ganzen Weg sehr viele Tiere beobachten, die Höhe war gut für die Akklimatisierung. Und nicht zuletzt diese Erdrutschhänge waren sehr schön anzusehen und bleiben wohl in der Erinnerung eingebrannt 😉 Trotzdem waren wir heilfroh, im Schneetreiben die warme und sichere Lodge zu erreichen. Eigentlich wollten wir dem Winter mit der Reise ja ein Schnippchen schlagen – Tja, war wohl nichts 🙂

Da es an diesem Ort nur eine Lodge hatte, versammelten sich alle nach dem Abstieg vom Tilicho Lake in diesem Essraum und es war schön zu sehen, wie Leute aus so vielen Nationen echt gut auskommen. Die Berge schweissen zusammen 😉 Von hier gingen nun alle Richtung Thorung La und wir sollten noch mehrere lustige Abende mit Leuten dieser Runde haben.

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Der Morgen war herrlich! Die ganze Gegend hatte einen Schneeguss bekommen und die Sonnenstrahlen drückten durch die Wolken. Wir nahmen die direkte Strecke über Old Khangsar. Der Weg wurde mit dem tauenden Schnee leider zu Matsch und das machte einigen Leuten (oder besser ihren Schuhen) arge Probleme. Doch die ganze Sippschaft erreichte Yak Kharka zum Mittag und die meisten blieben auch gleich da. Anita und ich wollten diese Nacht lieber ein bisschen höher schlafen und gingen noch die knappe Stunde weiter nach Ledar auf 4200 Meter. Wir fanden eine einfache Lodge mit Chefkoch Mama und anschliessender gemütlicher Abendrunde – genau unser Ding 😀

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Tag 11 nun brachte uns endlich in die Startposition für die Passüberquerung. Der Grossteil des Weges von Ledar ins Thorung Phedi High Camp waren angenehm zu gehen und man war mehr damit beschäftigt, mit der Kleidung immer das richtige Körperklima „einzustellen“. Die Unterschiede von Sonne, Schatten, Halbschatten, Wind sind mit der Höhe merklich extremer. Die letzten 500 Höhenmeter waren dann nochmals eher steil, aber mit solch einem fantastischen Panorama, kann man eigentlich gar nicht genug Verschnaufpausen machen 🙂 Wir erreichten das High Camp auf 4900 Meter früh und hatten genug Zeit die Umgebung bei prächtigem Wetter abzubilden.

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Die Nacht verlief sehr unruhig und wir wachten häufig auf. Dies nicht zuletzt weil diverse Leute bereits mitten in der Nacht aufstehen und mit Taschenlampe über den Pass wollen. Und dies zum Teil aus komischen Gründen wie: In der Nacht hat es weniger Wind!? Egal ^^ Wir starteten kurz vor sechs und kamen am Anfang nur schleppend vorwärts. Als Anitas Lippen Blau wurden, machten wir uns schon ein bisschen Sorgen. Wir machten einen Halt im letzten Teehaus und nachdem endlich die Sonne aufging, wurden auch die Lippen wieder Rosa 😉 Die restliche Strecke ging dann trotz merklich dünner Luft erstaunlich gut, und das Panorama und ein Hochalpin-Langhaar-Kneuel-Hund sorgten für Ablenkung 🙂  So erreichten wir den Thorung La auf 5400 Meter um 9 Uhr. Wir machten Fotos mit Bekannten und setzten Gebetsflaggen dem Wind aus. Kurz darauf übermannte mich die Sauerstoffarmut und ich fiel vor Anita auf die Knie und hielt um ihre Hand an! Anscheinend hatte Anita ähnlich wenig Sauerstoff, denn sie sagte JA!!! 😀

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Doch man soll nicht zu lange auf dem Pass bleiben und wir machten uns an den 1600 Meter Abstieg nach Muktinath. Der Blick ins Tal war herrlich! So ein Wüstenlandschaft hatten wir auf der anderen Seite des Passes nicht gesehen. Der Weg zum Thorung La ist ein absolutes Highlight bezüglich Abwechslung der Natur. Innert weniger Stunden kann man durch mehrere Klimazonen wandern. Doch hier versetzten uns die Weite und die Farben der Wüste in erstaunen.

Hundemüde erreichten wir Muktinath und wollten eigentlich nur noch schlafen. Doch eine heisse Dusche wirkte Wunder und es gab einen ausgelassenen Abend mit den Bekannten der Runde. Wir tranken bis der Besitzer andeutete, wir sollen doch schlafen gehen. Es war bereits 21:00 Uhr!? Wir hatten wirklich über die Stränge geschlagen 😛

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Am nächsten Tag wachten wir mit leichtem Kopfweh auf, welches aber diesmal sicher nicht von der Höhe kam 😉 Wir entschlossen uns zuerst in Muktinath die Hindu/Buddha Tempelanlage zu besichtigen und anschliessend mit dem Jeep direkt nach Jomsom zu fahren. Von da ging es mit dem Bus weiter zu den heissen Quellen von Tatopani. Die holperige Fahrt verlief gut und wir erreichten unser Ziel gerade noch bevor ein Regen-/Hagelsturm durchs Tal angesogen kam. Es blieb zwar beim Monsunregen, doch nach dem Essen gingen wir mit den bekannten Jungs aus England trotzdem zu den heissen Quellen. Und es war das Beste! Riesige, kalte Tropfen auf dem Kopf, man sitzt im heissen Pool mit einem Bier und über einem zucken die Blitze im Tal – unvergesslich! Wir schliefen wie Babys 😉

Wir legten am nächsten Tag einen Restday in Tatopani ein, weil wir langsam die Müdigkeit in den Knochen hatten und die Motivation gerne nach erreichen „des Gipfels“ nachlässt. Wir nahmen uns vor via Ghorepani und dem Aussichtspunkt Poon Hill nach Pokhara zurück zukehren. Der Morgen verlief zuerst gut doch schon bei der ersten Steigung schleppten wir uns hoch und an das feucht-heisse Wetter mussten wir uns zuerst wieder gewöhnen. Anita hatte  Magenkrämpfe, welche durch Bakterien verursacht wurden. Doch nach einer Suppe und einem Blick ins MediKit ging es besser und wir packten die Strecke an einem Tag.

Wie wahrscheinlich jeder Nicht-Einheimische in Ghorepani machten auch wir uns um 5 Uhr morgens auf den Weg zum Poon Hill. Das Wetter war glücklicherweise tadellos und wir bestaunten in einer Schar Menschen, die Aussicht auf Dhaulagiri, Annapurna und Machapuchare.

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Weil wir aber jetzt wirklich nach „Hause“ wollten, beschlossen wir einen Gang höher zu schalten und den ganzen Weg nach Pokhara an einem Tag zu machen. Wir marschierten dem Tal entgegen, doch spätestens nach den über 3300 „Steintreppen“ auf halber Strecke, hatten wir zitternde Beine und brauchten eine Pause. Das half, denn den Rest des Weges schafften wir dann trotzdem und nach einer kurzen Busfahrt kamen wir proteinhungrig, müde und mit dickem Wäschesack wieder in Pokhara an.

Die Bilder im grösseren Format gibts auf Picasa

 

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